Gedenkandacht im Augustinerkloster Erfurt

Gedenkandacht mit SchülerInnen der Evangelischen Gemeinschaftsschule Erfurt, für die Opfer eines Bombenangriffs am 25. Februar 1945, im Erfurter Augustinerkloster

 

 

Am Dienstag, den 25. Februar 2020, 18 Uhr, fand im Augustinerkloster Erfurt eine Gedenkandacht für die Opfer des Bombenangriffs vom 25. Februar 1945 statt. Im Rahmen des Geschichts- und Religionsunterrichts von Herrn Hampe nahmen die SchülerInnen unserer beiden neunten Klassen teil und verlasen die Namen von allen Opfern.  Die offizielle Pressemitteilung der EKM schreibt hierzu: „Der 25. Februar 1945 gilt als der schwärzeste Tag des Augustinerklosters“, sagt Bernd Prigge. „Wenn Schüler diesmal erstmals die Namen aller Opfer verlesen, wird es sicher besonders bedrückend sein, dass viele denselben Nachnamen haben – man spürt, dass zahlreiche Familien ausgelöscht wurden“, so der Augustinerpfarrer. Vor 75 Jahren warfen englische Bomber zwei Luftminen auf das Kloster. Im Keller der Bibliothek hatten 268 Menschen zwischen 3 Monaten und 83 Jahren Schutz gesucht. Die Wucht der Detonation war so groß, dass das Gebäude zusammenbrach und die Menschen von Gesteinsbrocken lebendig begraben wurden. Es gab 267 Tote, nur ein Mädchen und ein Hund wurden gerettet.

 

Die Andacht war für viele SchülerInnen sehr bewegend, da die direkte Nähe und Wucht um die Schrecken eines Weltkrieges nochmal direkt vor Augen geführt wurde. Im Anschluss fanden ebenfalls vereinzelte Gespräche mit einigen Nachkommen der Toten statt, welche sehr eindrücklich waren.

 

Ein sehr wichtiger Gedanke der alljährlich stattfindenden Andacht ist es aber auch, nicht nur an deutsche Opfer des Krieges zu erinnern. Besonders deutlich haben die TeilnehmerInnen dies am "Nagelkreuz" und dem zugehörigen "Versöhnungsgebet von Coventry" erfahren. Das Symbol des Nagelkreuzes erinnert an die Zerstörung der Katedrale von Coventry (Großbritannien) am 14./15. November 1940 durch deutsche Bombenangriffe.

 

 

 

Das Versöhnungsgebet wurde zur Andacht ebenfalls von den SchülerInnen verlesen und war späterer Inhalt in einer unserer Schulandachten.

 

 

"Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Römer 3, 23)

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,

Vater, vergib.

Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist,

Vater, vergib.

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet,

Vater, vergib.

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen,

Vater, vergib.

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge,

Vater, vergib.

Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht,

Vater, vergib.

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott,

Vater, vergib.

Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, wie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4, 32)"

 

 

 

Weitere Berichterstattungen und Hintergründen finden Sie unter folgenden Links:

https://www.ekmd.de/presse/pressestelle-erfurt/gedenkandacht-fuer-bombenopfer-im-erfurter-augustinerkloster-fug7.html

https://nagelkreuz.org/versoehnung/versoehnungsgebet

https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriffe_auf_Erfurt#Verluste_und_Sch%C3%A4den_an_Kulturbauten